Nachtralley- Erlebnisbericht

Neben den ganzen Workshops und Vorträgen, die die Tage des Bildungswochenendes ausfüllten, ging es uns an diesen Tagen natürlich auch darum, einander weiter besser kennen zu lernen und eine schöne Zeit miteinander zu verbringen. Um dies aber auch mit einem besonderen Programm-Highlight aufzufüllen haben wir mit Mühe und Kreativität eine Nachtralley organisiert, welche an die mittelalterlichen Begebenheiten der Wasserburg Heldrungen anknüpfte.
Was genau wir dort erlebten wird im folgenden Bericht beschrieben:

Lange mussten wir auf den Beginn der Nachtralley warten. Die letzten organisatorischen Handgriffe schienen mehr Zeit in Anspruch zu nehmen und ließen die Erwartungen bei den Teilnehmer*innen schon in Ungeduld münden. Unwissend, was uns in den kommenden Minuten oder gar Stunden widerfahren wird, machten sich bereits Gerüchte über die einzelnen Stationen und Themen der Nachtralley unter den Teilnehmer*innen die Runde.
Schließlich waren alle Vorbereitungen abgeschlossen und wir versammelten uns im großen Seminar-Raum. Nach einer kurzen Belehrung ging es auch schon los. Das Licht verdunkelte sich und ein dumpfes Schnaufen und die bekannte Stimme vom Smaug (dem Drachen der Filmtrillogie „Der kleine Hobbit“) erfüllte des Raum:

Direkt anschließend an einführenden Worte trat eine dunkel gekleidete Gestalt hervor und verlas die nun auf uns zukommende Aufgabe:
„Und nun ist die Zeit gekommen, in der ihr, meine Freunde, das Schicksal Aller bestimmen werdet.
Ihr, die Aufständigen in dieser dunkelsten Zeit habt euch hier versammelt,weil die Welt im Wandel ist.
Formiert hier nun ein letztes starkes Bündnis aus 4 Gefährt*innen, findet den Ring und macht euch auf den langen und beschwerlichen Weg nach Mordor, um den Ring im Feuer des Schicksalsberges zu vernichten!
Aber seid gewarnt: Es werden viele Gefahren auf euch lauern, der Weg ist tückisch und ihr wisst nicht, wer noch alles hinter dem Ring her ist.
Ihr seid aufeinander angewiesen, müsst euch gegenseitig vertrauen. Lasst die dunkle Macht des Ringes keine Zwietracht unter euch sähen!“

Die Gruppen sollten sich in einem Abstand von 15 Minuten auf den Weg zu ihrer ersten Station machen.

Die erste Station führte uns sofort in die Kellergewölbe. Der Zugang über den angrenzenden Glasanbau war noch hell erleuchtet, doch schnell verschwand das Licht in unseren Rücken. Vereinzelt leuchteten blaue Knick-lichter und Tropfen wie in einer feuchten Höhle erfüllten die Gänge und ließen eine kalte gruselige Atmosphäre entstehen. Ab und an war auch krächzendes Lachen oder ein Flüstern in der Ferne auszumachen. (Elektrische) Teelichter wiesen uns den Weg durch die dunklen Gänge, bis wir schließlich an eine Holztür mir der Aufschrift Gollums Höhle kamen. Kaum dass wir die Tür berührten um sie zu öffnen sprang diese von alleine auf und die Grotte tauchte sich in ein Blau-Grünes Leuchten, in dessen Mitte eine dunkle Figur stand und uns mit verstohlener Stimme näher heran bat. Etwas verunsichert kamen wir der Aufforderung nach, schon knallte hinter uns die Holztür wieder zu, und eine weitere Gestalt sprang uns in den Weg. Wild lachend und geifernd nach frischem Fleisch begannen beide eine Art Dialog miteinander zu führen, was sie nun mit uns tun sollen.
Auf der Suche nach dem Ring, der sich irgendwo in dieser Gruft verbarg, mussten wir 3 Fragen beantworten, um Hinweise auf dessen Versteck zu bekommen:

(Alle Fragen in der Übersicht)
1. Wer ist im Wald der kleine Mann, der nur auf einem Bein stehen kann? Hat einen großen bunten Hut, ist einmal giftig, einmal gut.
2. Du siehst ihn steht’s bei Sonnenschein, am Mittag ist er kurz und klein, er wächst bei Sonnenuntergang und wird gar wie ein Baum so lang.
3. 32 Schimmel (Pferde) in einem roten Schloss. Erst mampfen sie, dann stampfen sie, dann stehen sie regungslos.
4. Schreit stimmlos, flattert flügellos, beißt zahnlos, murmelt mundlos.
5. Etwas, dass alles und jeden verzehrt, Helm und Panzer, Axt und Schwert, Tier, Vogel, Blume, Ast und Laub. Aus hartem Steine mahlt es Staub.
6. Immer ist es nah, niemals ist es da. Wenn Du denkst, Du sei’st daran, nimmt es andern Namen an.
7. Fünf Finger und doch keine Hand, ein Schuh, doch ohne Sohle; Schützt vor Dreck und hält Warm, ohne Kohle.
8. Es hat drei Türen für rein und raus. Frühs geht man rein und unten schauen Füße heraus. Abends geht man wieder raus. Ein kleines Fenster hat es auch.
9. Ich habe nur ein Angesicht. Es wird erhellt von fremdem Licht. Erhellt’s mich nicht, das fremde Licht, sieht man mich nicht.
10. Atemlos lebt es – kalt wie der Tod schwebt es – kennt keinen Durst, doch dennoch trinkt es – trägt ein Kettenhemd, doch nie klingt es.
11. Ich habe keine Füße und geh doch auf und ab. Ich beiß mich immer tiefer bis ich mich durchgebissen hab.
12. Wenn man es braucht, lässt man es los – wenn man es nicht braucht, holt man es wieder hoch.
13. Es hat zwei Flügel und kann nicht fliegen – es hat einen Rücken und kann nicht liegen – es hat ein Bein und kann nicht stehen – es kann wohl laufen, aber nicht gehen.
14. Es schwebt daher, ganz kugelrund, fast unsichtbar, schillert es herrlich bunt. Entstanden ist’s durch einen Hauch – lang lebt es nicht, bald platzt sein Bauch.
15. Hat viele Häute und ein goldenes Kleid – will man es haben, bringt es Leid für kurze Zeit.
16. Was sitzt still in einer Ecke, und reist doch wohin du willst?
17. Ein kleiner Wicht mit großem Bart – dein Haus vor Dieben dir bewahrt. Verlier ihn nicht, den kleinen Wicht, dann bleibt der Ärger dir erspart.
18. Hat viele Zähne, und doch keinen Mund – ist nicht Eckig sondern rund – dreht sich im Kreise und das nie alleine – doch sein Nachbar dreht sich andersherum.
19. Erst hübsch anzusehen und weiß wie Schnee, dann ungenießbar und grün wie Klee – Am Ende finden es alle gut, nur dann ist es rot wie Blut.

Gleich nachdem wir den Ring gefunden hatten jammerte das Wesen Gollum und schickte uns die Stufen aus der Grotte empor um im Rittersaal der Burganlage auf unsere nächste Aufgabe zu treffen.

„Willkommen in Bruchtal“ erklang es, als wir die schwere Tür des Rittersaals öffneten. Man habe uns schon erwartet, sagten die zwei Anwesenden und erklärten uns unsere zweite Prüfung. Auf den Tischen vor uns lagen eine Vielzahl von Bastel-Utensilien; Scheren, Schnüre, Stoffe, Alu-Folie, Wandzeitungen, Kinderschminke, farbige Kreppbänder, … etc. Unsere Aufgabe bestand darin, binnen 5 Minuten für die ganze Gruppe Verkleidungen anzufertigen, welche uns aussehen lassen wie die Gefährt*innen. Klar, dass wir uns mit der Zeit im Nacken sofort ans Werk machten und Alu-Hüte, Umhänge und Elben-Strähnen formten.

Die Gefährten

Diese Kleidung sollten wir für unseren beschwerlichen Weg brauchen und demnach nicht wieder ausziehen dürfen. Na danke !
Als Belohnung erhielten wir eine Karte, welche uns zu unserer nächsten Aufgabe und durch das Gelände führen sollte. Somit machten wir uns auf den Weg über die „Brücke von Khazad-Dûm“ wie es der Plan von uns verlangte.

Map_Nachtralley

Kaum, dass wir die Brücke betreten haben, sprang uns ein bärtiges Wesen mit langem Stab in den Weg und brüllte: „Ihr kommt nicht vorbei!“. Gandalf versperrte uns den Weg, wie einst den Balrog von Morgoth in den Höhlen von Moria. Um dennoch die Brücke passieren zu dürfen, müssten wir Gandalf in einer kurzen Rede davon überzeugen, dass wir seiner würdig sind. Die Themen allerdings waren uns vorgegeben:

Die Themen in der Übersicht:
1. Antifa heißt Orks verkloppen!
2. Solidarität mit den Hobbits – jetzt, hier und überall!
3. Die Ents sind die einzig wahren Revolutionäre!
4. Orks in die Produktion!
5. Ist der Helm von Sauron ein Aluhut – Verschwörungstheorien aus Mittelerde?
6. Ist der weiße Zauberer Saroman ein Mitglied des Kucklux-Clan?
7. Die Reproduktionsverhältnisse der Elben – konservative Rollenverteilung oder post-gender Fortschritt?

Mit 5 Minuten Bedenkzeit über unsere Rede mussten wir schließlich vor die Kamera treten, denn unsere Reden wurden für besondere Ereignisse des Jugendverbandes festgehalten. Wir stammelten uns durch unsere Rede, zerfeierten uns dabei selber und bekamen schließlich von Gandalf ein weiteres Geschenk, welches wir für unseren Weg brauchten. Eine Fakel mit der Flamme von Anor soll uns den Weg durch das Gelände erhellen und so verschwanden wir in der Dunkelheit des Äußeren Burgwalls zu unserer nächsten Station.

Dort angekommen, fanden wir zwei bärtige Wesen vor, die um ein kleines Feuer schlichen, ab und an ein Scheid Holz nachlegten und irgendwelches Zeug vor sich herbrabbelten. Direkt neben dem Feuer waren die Umrisse eines Spielplatzes zu erkennen, an dessen Kletter-Turm die Aufschrift „Isengard“ zu lesen war. Im Turm-Inneren befand sich eine mit einer schweren Kette verschlossenen Kiste. Die Aufgabe bestand also darin, den Schlüssel für die Kiste zu finden.
Wir schauten uns um, und unweit des Turmes leuchtete es verdächtig Rot in der Krone eines Baumes. „Das Erklettern der Ents“ stand an dem Baum, der den Schlüssel in seinen Ästen trug. Schon sprang einer meiner Gefährt*innen den Stamm hinauf um dort nach dem rot leuchtenden Schlüssel zu angeln… Im Inneren der Kiste fanden wir einen Schluck „Orkblut“, das verdächtig nach Feigen-Likör schmeckte, sowie das blau leuchtende Schwert „Stich“. Bewaffnet mit nun schon zwei Lichtquellen suchten wir uns den Weg zur nächsten Station.

Auch hier saßen zwei düstere Gestalten an einem kleinen Feuer. Mit einem unerwartet freundlicher Empfang stellten sich die beiden vor. Es handelte sich um den Zwerg Gimlie Bierbart und Schnapsolas von den Saufelben. Sie erklärte uns schließlich die Aufgabe. Ein Stapel leerer Bierkästen bildeten den Turm „Dol Bierkaston“, mit dessen Hilfe es uns gelingen sollte, die „Totensümpfe“ zu überqueren. Der Kniff lag allerdings darin, dass wir nur 4 dieser Kästen bekommen sollten, und uns somit überlegen mussten, wie wir die erkennbare Strecke zurücklegen würden, ohne das eine*r von uns den Boden berühren würde.
Zur Belohung wartete hier eine Box mit der Aufschrift „Lembasbrot“ in dessen inneren sich warme Pizzen verbargen *lecker <3

Gut gestärkt und leicht angetrunken machten wir uns auf den Weg zur letzten Station, welche noch mal einiges von uns abverlangte, schließlich muss der Ring ja noch zerstört werden. Doch bevor wir an die Flammen des Schicksalsbergs gelangten, mussten wir noch ein stabiles Spinnennetz überwinden. Steigend und kreichend bahnten wir uns unseren Weg bis an die Flammen des Feuers, wo Saurons Auge bereits auf uns wartete und uns die letzte Aufgabe erklärte:
Im Inneren des Rings befindet sich eine Bleifigur, welche nun an den Flammen des Schicksalsberges eingeschmolzen werden soll. Um allerdings mit dem Schmelzlöffel das Blei in das heiße Feuer zu halten, mussten wir uns eine Konstruktion ausdenken. Beholfen mit Alu-Folie und Stöcken gelang es uns nach einiger Zeit, die Figur zu schmelzen und wie beim klassischen Bleigießen zu Silvester in kaltem Wasser abzulöschen. Damit war der Ring zerstört und die Nachtralley fand an dem wärmenden Lagerfeuer ein Ende und bald schon später in unseren kleinen Hobbit-Bettchen den Schlaf.